Testverfahren

Testverfahren

Neben der Erfüllung der drei testpsychologischen Hauptgütekriterien (Objektivität, Reliabilität, Validität) waren für uns drei Punkte bei der Auswahl des eingesetzten Verfahrens zentral:

  • Erstens soll ein mehrdimensionaler Intelligenztest eingesetzt werden, der die Leistungen des Kindes in mehreren Bereichen abbildet (z.B. Sprache, Mathematik, Motorik). Damit soll ermöglicht werden, individuelle Stärken und Schwächen zu erkennen (auch unabhängig von einer evtl. Hochbegabung). Ein einzelner Wert (IQ) wäre für Kinder und Eltern nicht aussagekräftig und birgt zudem die Gefahr, hochbegabte Kinder zu übersehen (Preckel, 2010).
  • Zweitens soll der verwendete Test auf Normdaten beruhen, die aktuell sind. Dies ist besonders vor dem Hintergrund wichtig, dass durch Anwendung von Tests mit veralteter Normierung die Zahl der Hochbegabten überschätzt wird (Flynn-Effekt; Rost, 2010).
  • Drittens sollte der Test den wichtigen Bereich der sozial-emotionalen Kompetenz abdecken. Diese wichtige, auch als „Emotionale Intelligenz“ bekannte Dimension (Shapiro, 1998) spielt gerade bei Fragen der frühzeitigen Einschulung oder des Überspringens einer Klasse, aber auch bei der Erklärung von Verhaltensauffälligkeiten eine große Rolle.


Der von uns ausgewählte zentrale Test erfüllt alle genannten Voraussetzungen und ist für Kinder von 5-10 Jahren normiert (Grob, Meyer & Hagmann von Arx, 2009): Es werden sechs Funktionsbereiche (u.a. mehrere Intelligenzkomponenten) erfasst, so dass ein Profil entsteht, in dem Stärken und Schwächen des Kindes deutlich werden. Die „sozial-emotionale Kompetenz“ wird mithilfe der Untertests „Emotionen erkennen“, „Emotionen regulieren“, „soziale Situationen verstehen“ und „sozial kompetent handeln“ abgebildet. Neben der sozial-emotionalen Kompetenz werden Kognition, Psychomotorik, mathematische und sprachliche Fähigkeiten sowie die Leistungsmotivation erfasst. Das Testverfahren besticht zudem durch sehr ansprechende, kindgerechte Materialien und eine spielerische Durchführung.

Natürlich reicht ein Testverfahren als Grundlage für eine ausführliche Beratung nicht aus. Über Gespräche mit Kind und Eltern sowie durch Verhaltensbeobachtung und Fragebögen erstellen wir ein individuelles Stärken- und Interessenprofil des Kindes, das v.a. in der Beratung zu möglichen Fördermöglichkeiten und passenden Aktivitäten wichtige Impulse geben kann.